|  |
 |

Den Heiligen auf der Spur – Hausmadonnen und Hausheilige in Augsburg
Augsburg zeigt in seinem inneren Kern, d.h. in den Grenzen der alten Stadtmauern mit Domviertel, Ulrichsviertel, Lechviertel und Jakobervorstadt, etliche Heiligenfiguren an den Fassaden der Bürgerhäuser und der zahlreichen (ehemaligen) kirchlichen Liegenschaften.
Die Anzahl dieser heiligen Spuren im Stadtbild ist beachtlich: Etwa 150 Positionen lassen sich ohne Mühe finden, selbst wenn die Figuren von Dom und anderen Kirchen außer Acht gelassen werden. Knapp die Hälfte dieser Positionen machen Mariendarstellungen aus:
ganzfigurige Skulpturen als Himmelskönigin, als Maria mit dem Christuskind, Marienmedaillons als Reliefs oder auch Marienbüsten. Der andere Teil gehört Heiligen wie St. Ulrich, St. Afra, St. Ursula oder weiteren Heiligen der zahlreichen Stifts- und Klosterniederlassungen in Augsburg und leeren bzw. neu besetzten Nischen.
Die altaugsburggesellschaft möchte diesen wichtigen Teil der Augsburger Stadtgeschichte mittels Stadtführungen, einer Ausstellung und einer angestrebten Publikation aufarbeiten, sowie fördern und bewahren. Ungefähr ein Drittel der erhaltenen Hausnischen steht heute leer. Oft wurden die erhaltenen Figuren zum Schutz aus den Nischen entnommen, und hier steht die altaugsburggesellschaft bereit, um Kopien tatkräftig finanziell und kenntnisreich zu unterstützen. So geschah es beispielsweise bereits in der Kohlergasse und wird demnächst auch in der Kirchgasse realisiert, auch konnte ein Hausmadonnenrelief aus der Haunstetter Straße vor der Zerstörung durch den Abriss des Hauses gerettet werden.
In einem ersten Schritt werden nun zur Bestandsaufnahme die bestehenden Nischen und Figuren in Dokumentationsbögen erfasst und fotografiert, zudem nehmen wir derzeit dafür eine Kontakt mit den Bewohnern und Besitzern der Häuser und Heiligenfiguren auf.
Jede Information, Geschichte oder Anekdote kann uns weiterhelfen, um dieses spannende Thema kunsthistorisch, stadt- und sozialgeschichtlich aufzuarbeiten und in das Bewusstsein der Gegenwart zurückzubringen.
Daran werden sich aufbauend weitere Schritte anschließen, so zum Beispiel:
- die Recherche zu den Auftraggebern der Figuren (Beruf, Konfession, Vermögensstand)
- eine Auswertung und Präsentation der Erträge
- eine Publikation in Buchform wird die Ergebnisse der Recherchen dokumentieren und darlegen
- die Vermittlung erfolgt in den kommenden Jahren durch Führungen der altaugsburggesellschaft im Stadtgebiet
Ungefähr ein Drittel der erhaltenen Hausnischen steht heute leer. Oft wurden die erhaltenen Figuren zum Schutz aus den Nischen entnommen. Hier steht die altaugsburggesellschaft bereit, Kopien tatkräftig finanziell und kenntnisreich zu unterstützen.
Ziel ist es aber nicht, rücksichtslos und unweigerlich Heilige zu installieren, sondern den Bestand zu sichern und das Bewusstsein für die stillen Mitbewohner zu stärken.
|
 |
| |
 |

Abtsgrabsteine aus St. Ulrich und Afra in Augsburg
2005 wurden im Kellerdepot des Maximilianmuseums Grabplatten von Äbten des Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra geborgen. In Zusammenarbeit mit dem Maximilianmuseum, dem Bayerischen Nationalmuseum und St. Ulrich und Afra initiierte die altaugsburggesellschaft die Restaurierung und Rückführung der Abtsgrabsteine in die Basilika – ihrem ursprünglichen Bestimmungsort.
Die altaugsburggesellschaft bemühte sich in Zusammenarbeit mit den Museen und der Pfarrgemeinde von St. Ulrich und Afra um die Finanzierung der Maßnahmen und betreute parallel dazu die Neustrukturierung des Steindepots (Lapidarium) im Maximilianmuseum, welches seit März 2011 nun auch für den Museumsbesucher zugänglich ist (Führungen: jeden Dienstag 15 Uhr). Die Finanzierung der Neuaufstellung der Abtsgrabsteine in St. Ulrich und Afra wurde folglich und 2010 außerdem durch die großzügig Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung gesichert, das Projekt in Kürze ausgeführt und zum Abschluss gebracht.
Die Basilika St. Ulrich und Afra wurde in ihrer langen Geschichte mehreren Aufgaben gerecht. Sie ist zuerst Wallfahrtskirche über den Gräbern der ersten Christengeneration.
Die Wallfahrt zum Grab der Heiligen Afra legt den Grundstein für das Wachsen der Kirche. In dieser Folge wird die Kirche zur Grablege Augsburger Bischofe, an erster Stelle des Heiligen Ulrich, aber auch Bischof Simpert ließ sich hier, in Nachbarschaft zu den frühchristlichen Märtyrern bestatten.
Nach der Aufhebung des Klosters ließ der neue Besitzer, das bayerische Konigreich, die zahlreichen Grabplatten der Augsburger Benediktiner Abte aus den Kreuzgängen ausbauen und nach München transportieren. Bei einer Neustrukturierung des Bayerischen Nationalmuseums 1934/35 wurden die überreichen Bestände das Hauses ausgedünnt und viele, vor allem platzraubende Großplastiken an Zweigmuseen abgegeben. So kamen denn in einen Gewölbekeller des Augsburger Maximilianmuseums die Grabsteine aus St. Ulrich, aber auch Epitaphien aus Steingaden und Ursberg zu liegen.
Der heutige Konservator für die Plastiken des Mittelalters am Bayerischen Nationalmuseum, Dr. Matthias Weniger, sowie der Leiter des Maximilanmuseum Augsburg, Dr. Christoph Emmendörffer, verfolgen seit einigen Jahren die Klärung dieser unzureichenden Depotsituation.
So wurden 2005 die Grabplatten aus dem Kellerdepot geborgen und zur Restaurierung und einer angemessenen Neuaufstellung vorbereitet.
Es handelt sich dabei um unterschiedlich gut erhaltene Steinmonumente aus der Zeit von ca. 1350 bis 1500, allesamt Grabplatten von Äbten des Benediktinerklosters.
Die Steinplatten werden derzeit in Absprache mit der Restaurierungsabteilung des Bayerischen Nationalmuseums von der Augsburger Steinmetzfirma Freyer & Roth konservatorisch behandelt und für eine Neuaufstellung in der Basilika St. Ulrich und Afra vorbereitet.
|
 |
| |
 |

Schauseite eines Reliquiensarges mit den heiligen Digna, Eutropia und Hilaria von Augsburg
Augsburg, um 1490
Willkommen zuhause
Ein spätrömischer Friedhof des frühen Christentums ist der historische und spirituelle Boden der Basilika St. Ulrich und Afra. Knochenfunde aus diesem Fundament wurden in Augsburg traditionell als heilige Relikte aufbewahrt und verehrt. Um die frühen Christen rankten sich heilige Legenden, mit der standhaften Afra im Mittelpunkt, begleitet von weiteren Christinnen der ersten Stunde, Hilaria, der Mutter Afras, sowie ihrer treuen Dienerinnen Digna und Eutropia.
Die mächtig anschwellende Wallfahrt zum Grab der Heiligen Afra und ihrer Gefährtinnen machte aus dem römischen Friedhof einen wichtigen Siedlungskern der heutigen Stadt Augsburg. Der volkstümliche Wunsch nach greifbarer und sichtbarer Erinnerung ließ aus den Knochenfunden Reliquien werden. Um die Wallfahrt attraktiv zu halten, wurden die wertvollsten heiligen Gebeine am Ende des 15. Jahrhunderts erneut gefasst in goldene Schaureliquiaren. Weitere Knochenfunde wurden in reich bemalte Holzsarkophage gegeben.
Von diesen Reliquienschreinen hat sich im Heiltumsschatz der Basilika bisher kein Stück erhalten. Jetzt tauchte überraschender Weise in Wien die kostbar bemalte Vorderseite eines dieser Miniatursärge wieder auf. Dargestellt sind die Büsten der drei Heiligen Digna, Eutropia und Hilaria. Die Malerei ist höchst qualitätsvoll und lässt auf die Werkstatt Hans Holbeins d. Ä. schließen. Die großen, von ferne lesbaren Beschriftungen verweisen das Holzbrett eindeutig in seine Funktion als Vorderfront eines Sarkophages und weisen gleichzeitig auf den einstigen Inhalt hin.
Durch die großzügige Unterstützung der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung und der Tatkraft der altaugsburggesellschaft konnte das kulturhistorisch herausragende Stück für die Heiltumskammer der Basilika St. Ulrich und Afra zurückerworben werden. Die drei Heiligen sind zurückgekehrt. Willkommen!
|
 |
 |
Die altaugsburggesellschaft übernimmt Verantwortung für den Fünffingerlesturm
Der Fünffingerles Turm
Unter den baugeschichtlich bedeutenden Denkmälern unserer Stadt nimmt auch der Fünfgratturm (im Volksmund auch Fünffingerles-Turm) eine hervorragende Stellung als Dokument mittelalterlicher Baukunst ein. Der heute freistehende Turm wurde 1454 erbaut und war ursprünglich Bestandteil der Befestigung der Jakobervorstadt. Seinen Namen erhielt der Fünfgratturm von der eigenwilligen Dachform, bestehend aus einem mittigen Zeltdach mit vier auf die Ecken gesetzten Scharwachttürmchen. Neben den Wehrtürmen und Bastionsanlagen der Stadt stellt er damit einen unverwechselbaren Eckpfeiler des historischen Stadtbereiches dar. Gleichzeitig ist er einer der Türme, die ehemals in großer Anzahl zwischen den Haupttürmen und Stadttoren aufgereiht waren und in der Mehrzahl dem Abbruch zum Opfer fielen.

Fünffingerlesturm mit Treppenanbau
Im Frühjahr 2005 wurde an die altaugsburggesellschaft von Seiten der Stadt Augsburg die Sorge um den Fünffingerlesturm herangetragen. Der Turm steht von außen betrachtet gut da, doch im Inneren, das damals als Fischfutterlager genutzt wurde, tummelten sich die Tauben. Die altaugsburggesellschaft stellte sich dieser Verantwortung und begann unter dem Motto „Taubenschlag“ mit der Arbeit.
Erste Sponsoren finanzierten ein Informationsblatt und eine Grundsäuberung vom Taubendreck, einen Holzboden und eine provisorische Stiege. Um den Turm aber dauerhaft zu sichern, zu warten und zu erhalten, sollte er zugänglich und in verantwortbarem Umfang auch für das Publikum erlebbar und nutzbar werden.
Deshalb wurde - wie es sich bei einem Baudenkmal dieser Bedeutung gehört, aber leider in Augsburg sehr selten gemacht wird - eine wissenschaftliche Bauuntersuchung in Auftrag gegeben und von unserer Gesellschaft bezahlt. Dr. Joachim Zeune, Büro für Burgenforschung, ermittelte Stein für Stein die Baugeschichte des Turms. Die Ergebnisse werden auf Schautafeln im Turminneren präsentiert.
Ein Ergebnis dieser Forschung war, dass der Turm im Inneren glücklicherweise noch seine alten Aufgänge hat, dass also keine neue Treppe gebaut werden muss. Allerdings beginnen diese Treppen logischerweise erst im zweiten Stock, denn der Fünffingerlesturm gehörte ursprünglich zum Stadtmauerring und war aus Verteidigungsgründen nur von der Stadtmauer aus zu betreten. Darum gibt es bis heute, trotz vieler Umbauten, im Inneren keine richtige Treppe vom Erdgeschoss in den Turm.
Und das soll auch so bleiben. Darin sind sich alle Genehmigungsbehörden und die verantwortlichen Fachleute einig. Die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt ebenso wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege legen größten Wert darauf, dass an der originalen Bausubstanz des Turmes und seiner historischen Struktur nichts geändert wird. Ein vergrößerter Durchbruch durch das Gewölbe im vermauerten Durchfahrtsraum des Turmes zum Einbau einer Treppe ist somit grundsätzlich ausgeschlossen und wäre auch verantwortungslos.
Die Lösung des Problems wies das Gutachten von Dr. Zeune. Die alte Treppenanlage bestand ja noch. Es müsste nur von außen ein vermauerter alter Zugang zur Stadtmauer wieder geöffnet und damit der Turm von außen erschlossen werden. Die Idee einer Außentreppe war geboren. Eine minimale Infrastruktur (Stromkasten, Wasseranschluss sowie vielleicht eine Toilette) sollte nicht im Turminneren untergebracht werden, um den Turm möglichst in seinem Orginalzustand zu bewahren. Auch diese Zutaten konnten im Sockel der Außentreppe versteckt werden. Zum dritten ermöglicht eine Außentreppe, die ehemalige Stadtmauer zumindest auf zwei Meter Länge in ihren Umrissen wieder ins Gedächtnis zu rufen, auf deren alter Mauerhöhe der mittelalterliche Zugang wieder in den Turm und die originalen Treppen in den Dachstuhl führen.
Die neue Außentreppe bekam ein erkennbar neues Gesicht, aus zeitgemäßen Materialien, einen schlanken Betonsockel und ein darüber liegendes Stahlgeländer. Mit der neuen Außentreppe kann dem Turm die dringend nötige Pflege und Aufmerksamkeit gewährt werden, die er zum Überleben braucht. Getreu der Satzung der altaugsburggesellschaft, der Gesellschaft zur Erhaltung Augsburger Kulturdenkmale.
Der Fünffingerlesturm braucht unsere Verantwortung.
- weil der Turm innen geschützt werden muss, vor Fäulnis, vor Tauben und vor der Witterung,
- weil die Fenster und Luken einen Taubenschutz brauchen, der regelmäßig gewartet werden muss,
- weil es unverantwortlich ist, sich am Äußeren zu erfreuen, während das Innere vergammelt.
Der Fünffingerlesturm braucht eine Außentreppe,
- weil der Turm eine Wehrturm ist, der im Innern erst ab dem zweiten Stock Treppen hat,
- weil der Turm nur von außen über einen heute vermauerten Zugang erschlossen werden kann,
- weil damit der Turm in seiner alten Funktion wieder erlebbar wird.
Die altaugsburggesellschaft übernimmt die Verantwortung für den Fünffingerlesturm mit der neuen Außentreppe, in zeitgemäßen Formen für zeitgemäßes Handeln.
  
Aktueller Zustand im Turminneren |
 |
Fünffingerlesturm: Hauptverfahren entschieden
Hier der Link zur Pressemitteilung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs:
http://www.vgh.bayern.de/VGAugsburg/documents/Fuenfgratturm-Hauptsache30062009.pdf |
 |