Sebastian Berz am 29.01.2026:
Die Bürger vermissen in der Augsburger Stadtentwicklung bei den Themen ÖPNV und Stadtbegrünung einen erkennbaren Fahrplan in die Zukunft.
ÖPNV
Das Projekt Mobilitätsdrehscheibe wird aktuell mit der Aufgabe der Planungen zur Straßenbahnlinie 5, als Verbindung des Hauptbahnhofs mit dem Universitätsklinikum, zu einem wesentlichen Teil nicht umgesetzt.
Dies mit einer anzuzweifelnden Zukunftsfähigkeit der TRAM zu begründen ist für ein Förderprojekt dieser Größenordnung in unseren Augen unverantwortlich. Es diskreditiert darüber hinaus das nachhaltigste öffentliche Verkehrsmittel Augsburgs.
Wir fordern daher im Gegenzug eine konsequente Optimierung des TRAM Netzes mit dem geringsten möglichen Aufwand, bei maximalem Mehrwert für den Stadtraum Altstadt. Dort nehmen die Nutzungskonflikte zwischen TRAM und öffentlichen Veranstaltungen erheblich zu. In ihrer Auswirkung betreffen sie das ganze Netz.
Wir stellen fest, dass die positive Resonanz auf unsere Vorschläge stetig wächst. Inzwischen werden die Überlegungen vom Regionalbeirat der IHK Schwaben, den Architektenverbänden und der Regio- Tourismus Direktion unterstützt.
Bereits die Ankündigung des Begehrens „Herz OP für die TRAM“ löste einen Antrag der Regierungsfraktionen vom Dezember 2025 aus, um unser Konzept in den Einzelheiten kurzfristig durch die Stadtwerke Augsburg prüfen zu lassen. Dies ist in der Kürze der gesetzten Frist bis Anfang Februar 2026 zwar nicht in der erforderlichen Tiefe möglich, wird aber als Stellungnahme für die Öffentlichkeit, in Ergebnis und Begründung debattiert werden müssen.
Planerisch handelt es sich bei der Herz- OP um drei Maßnahmen:
Spange Karlsstraße und Leonhardberg (400m – 600m) für die Linien 1 + 2, Bogen Forsterstraße und Jakober- Wallstraße (1.300m) und Rückbau der Trasse in der Maximilianstraße (800m);
Der Rückbau der Anlagen in der Maximilianstraße könnte die Stadtwerke vom Unterhalt aufwändiger Anlagen im denkmalgeschützten Bereich entlasten, die ausschließlich redundante Zubringerfunktion haben. Der vieldiskutierte Ausbau dieser Trasse zu einer barrierefreien ÖPNV- Linie ist in vielerlei Hinsicht unwirtschaftlich und wurde daher längst fallen gelassen.
Es wird eine Herausforderung sein, das komplexe Thema der Herz OP einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Einer Öffentlichkeit, die sich heute in einer vielfältigen Medienwelt informiert und orientiert. Aber die Politik wird uns direkt und indirekt unterstützen. Schließlich ist dieses Begehren eine aktive Form der Bürgerbeteiligung.
Dieses Stichwort führt uns zu dem zweiten Begehren, das wir ihnen heute offiziell bekannt machen.
Stadtbegrünung
„7000 Bäume“ ist eine symbolische Zahl für Stadtbegrünung seit dem Projekt „7000 Eichen“ des Künstlers Joseph Beuys, der das Projekt als ökologische Intervention und Soziale Plastik im Zeitraum zwischen Dokumenta Kassel 7 und 8, von 1982 – 1987 verwirklicht hat. Innerhalb von 5 Jahren wurden exakt 7000 Bäume, Eichen, Platanen und Eschen gepflanzt.
Beuys konnte zwar als politisch engagierter Künstler in der noch jungen Partei Die Grünen nicht Fuß fassen, sein Projekt war jedoch in der Kombination mit seinem privaten Finanzierungskonzept auf der Höhe der Zeit. Einer Zeit, die an Generationen von Politikern und Planern erkenntnislos vorüberging.
Das in den vergangenen 20 Jahren geprägte Paradigma der „Steinernen Stadt“ steht also im starken Kontrast zu der seit den 70er Jahren bekannten Entwicklung unseres Welt- Klimas.
Die hochgelobte Neugestaltung der Ulmer Innenstadt muss sich diesem Vorwurf aussetzen, ebenso wie die Sanierung der Augsburger Fußgängerzone, die nur in zwei sehr begrenzten Bereichen Baumstandorte mit einem mikroklimatisch wirksamen Potential aufweist (Stichwort Klimainsel).
Die Altaugsburggesellschaft hat im Zuge ihrer 2023 begonnenen Kampagne „Mein Baum für die Altstadt“ rasch erkennen müssen, dass das Problem des ungehörten Propheten Beuys nach 40 Jahren auch in Augsburg noch sehr vielschichtig ist. Wir luden zu Expertenrunden, zu Bürgerversammlungen und zu Work- Shops. Die Ergebnisse stellen wir nun nach drei Jahren positiver Kommunikation auf der Homepage der beiden Begehren zur Verfügung.
Die Politik über spontan abgegebene Lippenbekenntnisse hinaus nach drei Jahren in den Umsetzungsmodus zu führen, soll das Begehren „7000 Bäume“ bewirken. Es wird dabei um alle Stadtteile gehen. Jeder Stadtteil hat eine individuelle Prägung. Im Ensemble Altstadt spielen die Denkmalpflege und eine hohe Spartendichte eine wichtige Rolle. Das Problem der Parkplatznot und der Akzeptanz einer Neuordnung des öffentlichen Raumes betrifft hingegen das ganze Stadtgebiet.
Für einen wirksamen Umbau muss sich Augsburg ehrlich machen und neue Strategien entwickeln, die weit über die aktuellen Projekte hinaus reichen. Fuggerstraße, Rathausplatz, Maximilianstraße und Bahnhofsplatz sind die Leuchttürme einer Gesamtmaßnahme, die dazu beitragen soll, Augsburg attraktiv und lebenswert zu erhalten. Das Begehren „7000 Bäume“ soll diese Erkenntnis im Sinne aktiver Bürgerbeteiligung unterstützen.

